1964 entstand die Idee, aus der männlichen Jugendgruppe des Deutschen Roten Kreuz in Neustadt am Rübenberge einen Fanfarenzug zu gründen...

Aus dieser Idee wurde bundesweit der erste Fanfarenzug, der aus dem Deutschen Roten Kreuz hervorging. Somit ist die heutige "Leinegarde" das in seiner Art älteste Musikcorps des DRK!

Nach der Anschaffung von 4 Landsknechttrommeln und 10 - 12 Fanfaren machte sich der Musikzug mit 15 Musikern unter der Stabführung von Klaus-Dieter Lücke bereits im Sommer des Gründungsjahres zu Konzerten, Umzügen und Wettkämpfen auf, bei denen die motivierten Spielleute, trotz der kleinen Besetzung, stets vorderste Plätze belegten.

"Klasse statt Masse" war das Motto, das dem Musikzug schon damals das nötige Selbstbewusstsein gab, um auch gegen mitgliederstarke Musikgruppen anzutreten.

Doch bereits nach 4 Jahren kam es zu Uneinigkeiten innerhalb der Gruppe, die 1969 die Auflösung des Fanfarenzuges nach sich zogen. Doch acht der damaligen Mitglieder wollten sich damit nicht abfinden und zogen Kurt Hoffmann, der durch die jahrelange Mitgliedschaft seines Sohnes Frank am Musikzuggeschehen interessiert war, als neuen verantwortlichen Leiter heran.
Mit Engagement und Mut formierte er den Fanfarenzug des DRK wieder neu und machte ihn zu einer erfolgreichen Musikgruppe.

Kurt Hoffmann ging ungewöhnliche Wege, so nahm er auf seinen eigenen Namen Kredite auf, um neue Instrumente und Lehrmaterial anzuschaffen. Weiterhin entschied er sich, von nun an auch Mädchen in den Zug aufzunehmen. Ein Jahr nach seiner Übernahme zählte die Gruppe bereits 25 Mitglieder, weitere zwei Jahre später - 1972 - waren 50 Jungen und Mädchen aktive, musizierende Mitglieder des Fanfarenzuges!

Ungewöhnlich war auch die Organisation des Zuges. So organisierte und finanzierte sich die Gruppe völlig selbstständig aus selbst erwirtschafteten Geldern. Eine Tatsache, zu der auch die Ehefrau Kurt Hoffmanns, Adele Hoffmann,  maßgeblich beitrug. In monatelanger Heimarbeit schneiderte sie die ersten blauen Uniformwesten, die mit gelben Hemdblusen kombiniert, den Grundstein der jahrelang beibehaltenen Vereinsfarben (blau/gelb) bildeten.

Unter dem rigorosen und engagiertem Führungsstil von Kurt Hoffmann absolvierte die Gruppe erfolgreich Auftritte im gesamten Bundesgebiet, was schon bald die Anschaffung neuer verschiedener Trommeln und einiger Trompeten erlaubte. Es folgte die Umbenennung in DRK Jugend Fanfaren- und Trompetercorps.

1979 musste Kurt Hoffmann - der "Vater" der heutigen "Leinegarde"- aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen. Sein Sohn Frank, der als 10-jähriger bereits im Gründungsjahr im Fanfarenzug musizierte, der Gruppe seit 1969 als Stabsführer hervorging und seit 1972 als Ausbilder tätig war, übernahm nun die Corpsleitung.

Das Drucktabellensystem, nach dem das Corps noch heute spielt, wurde von ihm entwickelt. Ferner wurde unter der Leitung von Frank Hoffmann das gesamte Corps auf Ventilinstrumente umgestellt und ein umfangreiches Repertoire erstellt, das sämtliche Musikrichtungen abdeckte. Sein Steckenpferd war jedoch die Ausarbeitung verschiedener Schau- und Formationsmärsche, die mit großem Augenmerk auf Perfektion und Exaktheit ausgeführt wurden. Allgemein galt Frank Hoffmanns Führungsstil als resolut und militärisch.

Aufgrund der instrumentalen Umbesetzung nannte sich der Musikzug fortan:
DRK Jugend-Trompetercorps Neustadt

Bereits seit 1974 nahm das Corps nun schon an keinerlei Wettkämpfen mehr teil, obwohl es bis dahin durchaus erfolgreich gewesen war. Der Corpsleitung war es wichtiger, jungen Menschen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeit zu geben. Musik sollte als Brücke untereinander, zu anderen Vereinen und sogar anderen Nationen verstanden werden. Pokaljägerei und Konkurrenzgerangel hätten sich mit diesen Absichten nicht weitervereinbaren lassen.

Zudem prägte Frank Hoffmann den Satz: "... für das Publikum musizieren wir!" und machte damit deutlich, dass nicht eine kleine Gruppe von Wertungsrichtern, sondern die breite Masse der Zuhörer und Zuschauern "...in dem Moment der Betrachtung über die Güte einer Musikgruppe entscheidet...". Eine Philosophie, die sich die "Leinegarde" bis heute  bewahrt hat.

Bereits 1983 fuhr die Gruppe erstmalig nach Fareham/Südengland und trat Ende des Jahres zum erstem Mal mit einem zusammenhängendem 20-minütigen Showprogramm vor tausenden von Zuschauern bei den Musikparaden der Nationen in Hannover auf. 1984 folgte eine Gastspielreise nach Kristianstad/Südschweden und das große Musikfest zum eigenem 20-jährigen Bestehen, das mit über 1000 Musikern aus Dänemark, Holland, Schweden und dem ganzem Bundesgebiet über 3 Tage gefeiert wurde.

Im Instrumentarium wurden nun immer mehr Trompeten durch Kornetts und die Ventilposaunen durch die heutigen Baritons ersetzt. Die verschiedenen Trommeln wurden längst nicht mehr an Gurten, sondern anfangs selbstgebauten, später an gekauften Gestellen getragen - was damals weit und breit kein anderes Corps tat! Auch optisch konnte man Veränderungen, von schwarzen Hosen und Röcken zu blaugrauen Hosen mit Biesen und Kopfbedeckungen zu Käppis, über Stoffhüte bis hin zu den heutigen Tschakos, beobachtet. Die Tschakos ließ man, von ausländischen Kapellen inspiriert, nach eigenen Vorstellungen anfertigen und trug sie - anfangs belächelt, später kopiert - als erstes Trompetercorps der heimatlichen Musikszene! Den blauen Westen und gelben Hemdsärmeln blieb das Corps jedoch noch weiter Jahre treu.

Ca. 40 Auftritte wurden derzeit jährlich absolviert. Sie führten quer durch Deutschland, von Bayern bis Nordenham und Hamburg und führten die Musiker zu mehrtägigen Reisen nach Holland, Dänemark, Frankreich und in die Schweiz.

Im Repertoire befanden sich nun auch Musicals und ein fest einstudiertes Showprogramm brachte der Gruppe bei nationalen und internationalen Musikshows stets großen Applaus ein. Im 25. Jubiläumsjahr war die Gruppe nach mehreren kurzen Frankreichfahrten zu einem mehrtägigen Aufenthalt zum Blumencorso nach Nizza eingeladen, feierte ihren eigenen Geburtstag mit 2500 Zuschauern bei einem internationalem, Musikfest und nahm zum zweiten Mal an der berühmten Musikparade der Nationen teil. 1989 erfolgte die Umbenennung in den noch heute aktuellen und abermals bescheidenen Namen:
Trompeter-Showcorps "Leinegarde"

Ende 1991 stand die "Leinegarde" zum zweiten mal vor der Auflösung. Der Corpsleiter Frank Hoffmann kündigte zum Ende des Jahres seinen Austritt an und ein Nachfolger schien zuerst nicht in Sicht. Wie vor 22 Jahren war es abermals ein Teil erfahrener Musiker, die das Fortbestehen des Zuges in ihre Hände nahmen- unter ihnen Thomas Lupke, der seit 1979 aktiver Trommler und seit 1985 Ausbilder der Trommler und Percussiongruppe war.

Thomas Lupke übernahm die Corpsleitung und Stabführung der "Leinegarde", die zu dem Zeitpunkt ca. 25 Musiker zählte. Unter seiner Leitung wurde das Repertoire abermals überarbeitet und mit Musikstücken aus den Bereichen Rock/Pop bereichert. Wie auch sein Vorgänger, arrangierte Thomas Lupke alle Musikstücke selbst und legte besonderen Wert darauf, die Lieder mehrstimmig und anspruchsvoller zu gestalten. Die Musikergastierten 1994 zum wiederholten Male in den Niederlanden und unternahmen 1995 eine Mehrtägige Reise nach Schweden. Das Instrumentarium wurde durch weitere Baritons und eine Sousaphon sowie neue Trommeln verbessert und 1996 trennte sich die Leinegarde von ihrem blau/gelben Outfit.

Seitdem ist das Corps in schwarzen Uniformen mit goldenen Applikationen und Biesen zu sehen, die das schlichte, aber exakte Erscheinungsbild der "Leinegarde" unterstreichen. Der Führungsstil wurde liberaler und seit 1997 wird ein mehrköpfiges Gremium demokratisch von allen aktiven Mitgliedern gewählt.

In der Saison 1999 stand Volker Suchla als 1. Corpsleiter diesem Gremium vor. Seit 2000 ist Thomas Lupke in dieses Amt zurückgekehrt und fungiert im Corps auch als Stabsführer und musikalischer Leiter, in Zusammenarbeit mit den Gremiumsmitgliedern Martina Wastl, Mélanie Sonntag und Marleen Neumann. Seit 2004 ist Stefan Diskau für Martina Wastl ins Gremium nachgerückt. Zusammen mit dem Gremium führt Thomas Lupke das "Trompeter-Showcorps Leinegrade" mit einer Mischung aus Tradition und innovativen Ideen. Immer mit dem Ziel, junge Menschen durch Musik für die Musik zu begeistern, sich gemeinsam für eine Sache zu engagieren und auch weiterhin "Musik für das Publikum" zu machen.